Das Leben mit Vinyl: Rega Planar 1 Plus im Testbericht

Fangen wir ganz von vorne an: Am 13. Dezember 2019 um 11:16 Uhr erhielt ich eine übliche Pressemail, nicht viel Text, ein großes Bild mit diversen Audiogeräten. Die Firma Rega, sagte mir bis dato überhaupt nichts. Und auf meine erste Gegenfrage, welche Geräte noch zum Testen zur Verfügung stehen, bekam ich die Antwort: Der Rega Planar 1 Plus Plattenspieler.

Die Schlümpfe und ein großer staubiger Kasten

Das waren meine letzten Erinnerung an Schallplatten. Hier und da schnappte man mal auf, dass ein Indie-Artist sein neuestes Album wieder auf Polyvinylchlorid presste und natürlich sah man auch mal einen richtigen DJ der seinen Plattenkoffer in den verranzten Szene-Klub eines alten Berliner Kokskeller hievte um damit aufzulegen. Mehr Berührungspunkte gab es seit meiner Kindheit und Jugend, mit dem Medium Schallplatten nicht mehr.

Deswegen kam diese E-Mail gerade recht. Ich wollte mehr darüber wissen und mich gezwungenen Maßen mit Themen wie Phonoverstärker, Tonarm, Tellerlager und Antriebsriemen auseinandersetzen. Irgendetwas muss doch an dem #1 Analog Audio Format der Hipster dran sein. Hört es sich wirklich anders an? Oder sogar besser als digital?

Der Deal mit der Presseagentur war abgeklärt und der Plattenspieler sollte in wenigen Tagen bei mir sein. Es drängte sich eine simple Frage ganz nach vorn: Sind Schallplatten in Mono oder Stereo? Bis 1958 waren Schallplatten ein Medium in einem einzelnen Mono-Kanal. Vinyl ist heutzutage also ein Stereo-Medium.

Eine Nadel, geformt wie ein spitzes Dreieck, fährt durch die Rillen der Schallplatte. Im Nadelkopf des Schallplattenspielers, gibt es zwei Tonabnehmer, jeweils für die linke und rechte Seite der Nadelpyramide. So können die jeweils einzigartig klingenden Wellen der Schallplatte auf die Lautsprecher übertragen werden. Videos darüber wie Schallplatten produziert werden und noch mehr zum Thema wie sie genau funktionieren konsumierte ich auch noch mit großer Spannung.

Digital oder Analog?

Und damit ist die Schallplatte gemeint. Soll man Musik von einer Schallplatte hören, die zum größten Teil digital produziert und erstellt wurde? Da ich nun auch erst einmal Schallplatten benötigte, baute sich dieser innere Konflikt in mir auf. Einerseits wäre es interessant, bekannte elektronische Musik aus dem letzten Jahrzent von einer Schallplatte zu hören aber andererseits kenn ich auch Musik aus den 50er oder 60er Jahren für die der gute alte Tonträger Vinyl doch geradezu prädestiniert ist. Ich packte beide Varianten in den digitalen Einkaufskorb und wartete sehnsüchtig auf den überarbeiteten DHL-Fahrer.

Rega Planar 1 Plus

Das Paket mit dem Schallplattenspieler von TAD-Audiovertrieb war nun endlich da. Vielen Dank an dieser Stelle an das Team von TAD-Audiovertrieb, die mir in unkomplizierter Weise alle Infos die brauchte, mit an die Hand gaben und dazu noch ein kleines Geschenk oben drauf packten.

In meiner technischen Vorplanung, kam mir der Begriff Phonoverstärker immer häufiger über den Weg. Einige AV-Receiver haben solch einen, für Plattenspieler nötigen Verstärker extra mit an Bord, meiner nicht. Zum Glück hat der Rega Planar 1 Plus (dafür steht das Plus im Namen) einen solchen Verstärker mit integriert. So kann der Plattenspieler – wie es auch in der Anleitung steht – an jede Anlage verbunden werden und das passende Kabel liegt auch dabei.

Es muss nicht groß aufgebaut oder kalibriert werden, zum Glück nicht. Die geklebten Transportsicherungen müssen entfernt werden, dass Gegenwicht muss auf den Tonarm geschoben werden. Bei Schallplatten geht es um Geschwindigkeiten: 33 1/3 oder 45 RPM. Das sind die zwei Größen, die auch hier, mit dem Umlegen des Gummibandes am Antriebsmotor eingestellt werden können. 33 1/3 sind die großen Platten und davon hatte ich zwei Stück. Demnach war ich ready to go.

Seit 1973 produzieren, die beiden Geschäftspartner Tony Relph und Roy Gandy, in England ihre Audiogeräte. Am Anfang nur Plattenspieler und heute auch Boxen, Verstärker und vieles mehr. Die Firmengeschichte von Roy, einem ehemaligen Automechaniker bei Ford und seinem Partner Tony ist extrem detailliert im Buch A Vibration Measuring Machine aufbereitet. Die Firmen Biographie beinhaltet quasi drei Bücher und lässt keine Fragen mehr offen.

Anstöpsel-Time

Nachdem die zwei Cinch-Kabel, nach kurzer Fehlersuche, ihren finalen Platz an dem AV-Receiver gefunden hatten und der Stromstecker auch das bekommen hatte was er brauchte, packte ich die Ultimate Sinatra Vinyl aus und legte sie auf. Kippschalter – Platte dreht sich – Tonarm auf den Anfang von Lied Nummer 6 Young At Heart (schon hunderte Male in digitaler Version gehört) und nun endlich das Absenken der Nadel.

Die letzten Sekunden vom vorherigen Track ertönten und einige kleine analoge Pop-Geräusche folgten. Dann spielte das Orchester los. Ich hörte zu. Erhöhte die Lautstärke am AV-Receiver, nicht weil es zu leise war, sondern einfach gut. Und noch ein bisschen lauter. Es ist schwierig zu beschreiben. Meine erste Klangwahrnehmung sah wie folgt aus: Klingt wie das digitale Original nur klarer und als hätte man zu einem 1/5 Teil die Nasalität eines Radios mit hineingemischt. Frank Sinatra lässt sich neben dem zunehmend lauter werdendem Orchester leichter isolieren. Es klingt interessant und hat eine sentimentale Wirkung. Das kontinuierlich drehende Etikett der Schallplatte erinnert woher der Sound herkommt. Nächster Track – gleiche Wahrnehmung – Platte zu Ende. Das Testgerät wird bezahlt und behalten. #newhobby und 449€ ärmer.

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